Factoring im Franchise-Glossar

Was ist Factoring?

Beim Factoring handelt es sich um ein Dienstleistungs- und Finanzierungsmodell. Dadurch, dass ein Unternehmen seine offenen Forderungen an einen Dritten, ein Dienstleistungsunternehmen, verkauft, kann es seine Liquidität direkt steigern. Dieser Dienstleister übernimmt daraufhin das Forderungs- und Debitorenmanagement für das Unternehmen.

Franchise Glossar Factoring

Was bringt das Factoring?

Ein Unternehmen verkauft im Zuge vom Factoring seine kurzfristigen Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft, die auch als Factor bezeichnet wird. Der Factor übernimmt daraufhin die Debitorenbuchhaltung für das Unternehmen.

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Im Zuge des Factorings ist der Dienstleister beziehungsweise Factor für die Einbringung der Forderungen verantwortlich. Je nach Ausgestaltung des Vertrages, welches das Unternehmen mit dem Factor schließt, werden die genauen Leistungen definiert. Meist wird ein Factoring-Vertrag von mindestens zwei Jahren Laufzeit abgeschlossen. Dieser kann alle Forderungen oder aber nur Forderungen von bestimmten Abnehmergruppen umfassen. Es werden sowohl Inlands- wie auch Auslandsforderungen übernommen. Der Factor ist es auch, der daraufhin das vollständige Zahlungsausfallrisiko trägt.

Warum gibt es das Factoring?

Durch das Factoring verschafft sich ein Unternehmen einen direkten Liquiditätszuwachs, wodurch sich seine Eigenkapitalquote erhöht. Aus diesem Grund ist das Factoring ein gern gesehenes Finanzierungsmodell, damit das Unternehmen einfacher investieren und sich weiterentwickeln kann. Zwar erhält das Unternehmen, was seine Forderungen verkauft nicht direkt die 100 Prozent der Factoring-Gesellschaft ausgezahlt, aber es kann umgehend seine Liquidität steigern. Denn in der Regel werden 80 bis 90 Prozent der Bruttoforderung vom Factor innerhalb von 48 Stunden nach Abtretung der Forderung überwiesen.

Factoring und der Mittelstand

Eine Factoring-Gesellschaft arbeitet also ein externer Dienstleister für andere Unternehmen. Sie übernimmt im Rahmen der Debitorenbuchhaltung oft das Mahnwesen und Inkasso. Teilweise unterstützt ein Factor das Unternehmen auch bei der gesamten Buchhaltung. Vor allem für kleinere Unternehmen kann es sehr interessant sein, das Forderungsmanagement sowie die Buchhaltung an einen externen, spezialisierten Dienstleister out zu sourcen.

Das Factoring wird beim Mittelstand immer beliebter. Deshalb ist es auch zu einem wichtigen, alternativen Finanzierungsinstrument geworden. Eine starke Nachfrage hat dafür gesorgt, dass die Anzahl der Factoring-Gesellschaften gestiegen ist. Mittlerweile gibt es mehr als 250 solcher Dienstleister am Markt, die auf ihre Kunden in unterschiedliche Weise und zu unterschiedlichen Konditionen eingehen. Diese Konditionen beziehen sich auf den Mindestumsatz, Zinssätze sowie die Kosten für das Factoring und sie können je nach Branche unterschiedlich sein. So kann ein jedes Unternehmen, welches über das Factoring nachdenkt, eine Factoring-Gesellschaft finden, die individuell auf seine spezifischen Bedürfnisse eingehen kann.

Wie gestaltet sich der Ablauf beim Factoring?

Ein Unternehmen generiert eine Forderung für eine erbrachte Leistung – sprich für eine Ware oder Dienstleistung – an einen Kunden. Im Rahmen des Factorings ist hier vor allem wichtig, dass es sich um eine tatsächliche Forderung handelt. Dies wird auch als Verität bezeichnet. Denn diese stellt sicher, dass die Forderung auch existiert und an den Factor abgetreten werden kann. Nur wenn dies der Fall ist, ist der Verkauf der Forderung auch rechtskräftig.

Die Verität einer Forderung stellt also die Grundvoraussetzung im Factoring dar. Im nächsten Schritt gilt es, die Bonität des Debitors zu überprüfen. Und zwar ist dies entscheidend, da der Factor ja schließlich das gesamte Ausfallrisiko trägt. Aus genau diesem Grund muss die Bonität des Debitors überprüft werden. Fällt die Prüfung positiv aus, kann das Unternehmen seine Forderungen verkaufen.

Hat das Unternehmen die Forderung an die Factoring-Gesellschaft abgetreten, erhält es meist innerhalb von 48 Stunden 80 bis 90 Prozent der Bruttoforderung vom Factor überwiesen, während das Debitorenmanagement an den Factor übergeht. Unabhängig von der Bezahlung des Kunden kann das Unternehmen somit direkt seine Liquidität erhöhen.

Der Factor ist nun der offizielle Eigentümer der offenen Forderung und trägt das gesamte Risiko des Forderungsausfalls. Daraufhin widmet er sich nun der Zahlungserbringung durch den Debitor. Erhält der Factor das Geld des Debitors, zahlt er dem Unternehmen die noch ausstehende Summe des Forderungsbetrages, die bei 10 bis 20 Prozent liegt.

Welche Anforderungen stellt die Factoring-Gesellschaft beim Factoring?

Damit das Factoring rechtlich korrekt ablaufen kann, muss das Unternehmen gewisse Anforderungen einhalten. Diese umfassen die Laufzeit, die Rechte, die mit den Forderungen zu tun haben, sowie die Bonität der Debitoren. Dabei sollte eine Laufzeit von 120 Tagen im Inland und 180 Tagen im Ausland nicht überschritten werden. Die Höhe der Forderung muss klar definiert sein und die Seriosität und Bonität der Kunden sollte gegeben sein. Denn nur so kann sich eine Factoring-Gesellschaft darauf verlassen, dass die Forderungen vom Debitor auch wirklich beglichen werden.

Welche Funktionen übernimmt das Factoring?

Das Factoring verfolgt drei Funktionen:

  • Die Dienstleistungsfunktion:

Hier geht es vor allem darum, dass die Kreditwürdigkeit der Debitoren gegeben ist, damit der Factor die offene Forderung auch erhalten kann. Das Unternehmen kann dank der Factoring-Gesellschaft auf ein eigenes Debitorenmanagement verzichten. Oft werden im Zuge dessen auch das Mahn- und Inkassowesen vom Factor übernommen.

  • Die Finanzierungsfunktion:

Beim Factoring handelt es sich um eine Vorfinanzierung des Unternehmens. Die offenen Forderungen, die das Unternehmen an den Factor abtritt, werden sofort bezahlt. Das nimmt dem Unternehmen viel Arbeit ab und steigert seine Kreditwürdigkeit. Das Geld geht direkt auf dem Konto ein, ohne dass man die beim Kunden eingeräumte Zahlungsfrist abwarten muss.

  • Die Bonitätsfunktion:

Der Factor übernimmt das Bonitätsrisiko, so dass das Unternehmen in gewisser Weise vor Zahlungsausfällen geschützt ist. Aus diesem Grund behält der Factor vorläufig meist 10 bis 20 Prozent der offenen Forderung ein.

Was für verschiedene Factoring-Formen gibt es?

Der oben beschriebene Ablauf stellt den Prozess des echten Factorings dar. Hier übernimmt der Factor das Bonitätsrisiko und trägt allein das Forderungsausfallrisiko. Wird das Bonitätsrisiko nicht übernommen, so handelt es sich um unechtes Factoring. Denn in diesem Fall würde das Unternehmen selbst für ein Ausbleiben der Kundenforderung aufkommen.

Man spricht vom Standardfactoring, wenn der Faktor alle drei oben genannten Funktionen übernimmt: Die Finanzierungs-, Bonitäts- und Dienstleistungsfunktion.

Beim stillen Factoring wird der Debitor nicht darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Factoring angewandt wird und die offene Forderung verkauft wurde. Wenn es beim stillen Factoring zum Inkassofall kommt, wird das stille Factoring zum offenen Factoring.

Das offene Factoring bedeutet, dass der Debitor über die Forderungsabtretung informiert wird. Hier enthält die Rechnung also den Hinweis auf den Forderungsverkauf an eine Factoring-Gesellschaft. Auf diese Weise werden die Debitoren über das Factoring in Kenntnis gesetzt.

Darüber hinaus gibt es auch noch das Fälligkeitsfactoring, wo ein Factor nur für Inkassoforderungen eingesetzt wird. In diesem Fall erhält das Unternehmen erst nach Zahlungseingang den Gegenwert der Forderung. Beim Fälligkeitsfactoring entfällt somit die Finanzierungsübernahme wie auch das Bonitätsfunktion durch die Factoring-Gesellschaft.

Ist von einem Full-Service-Factoring die Rede, dann übernimmt der Factor den gesamten Forderungsprozess: Angefangen von der Debitorenbuchhaltung über Inkassoforderungen und das Mahnwesen.

Liegt ein Inhouse Factoring vor, übernimmt das Unternehmen eigenständig sämtliche Verwaltungsaufgaben rund um die Debitorenbuchhaltung.

Eva Tegeder, Punkt Franchise ©

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