Genossenschaft im Franchise-Glossar

Was ist eine Genossenschaft?

Eine Genossenschaft ist eine Gesellschaft, die gemeinsam ein bestimmtes wirtschaftliches Ziel verfolgt. Der Hauptgedanke einer Genossenschaft ist, dass man als Gemeinschaft besser als im Alleingang diese Ziele erreichen kann.

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Wann ist die Gründung einer Genossenschaft sinnvoll?

Genossenschaftliche Kooperationen kommen deshalb oft dann zum Einsatz, wenn das Verfolgen eines wirtschaftlichen Zieles die Leistungsfähigkeit eines einzelnen übersteigt. Denn die Genossenschaft bündelt die Kräfte seiner Mitglieder, während zugleich die selbstständige Existenz eines jeden Mitgliedes gewahrt wird. Jeder ist gleichberechtigt in der Genossenschaft, aber zusammen sind sie stärker. Die gebündelten Kräfte der Gesellschaft übersteigen die Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder.

Welche Arten von Genossenschaften gibt es?

Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen können sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen. Aus diesem Grund gibt es die unterschiedlichsten Arten von Genossenschaften, alle Wirtschaftssektoren sind vertreten:

  • Einkaufs-, Beschaffungs- oder Bezugsgenossenschaften beschaffen größere Bestellmengen und können für ihre Mitglieder so zu günstigeren Einkaufspreisen Waren oder Dienstleistungen beschaffen;
  • Absatzgenossenschaften vertreiben Produkte gemeinsam unter einem Markennamen;
  • Landwirtschaftliche Produktions- und Absatzgenossenschaften nehmen beispielsweise in der Milchwirtschaft als Molkereigenossenschaften Form an;
  • Winzergenossenschaften bewirtschaften Felder, produzieren und füllen gemeinsam ihren Wein ab und vermarkten diesen daraufhin zentral;
  • Im Finanzwesen haben sich Kreditgenossenschaften in Form von Volks- und Raiffeisenbanken etabliert.

Seit wann gibt es Genossenschaften?

Das Konzept der Genossenschaften stammt aus dem Mittelalter. Damals schlossen sich vor allem die Handwerker und der Bergbau als Knappschaft zusammen. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich dann weitere, moderne Genossenschaftsarten. Hierunter fallen beispielsweise die erste Einkaufsgenossenschaft in der Textilindustrie, die Gründung der ersten Raiffeisenbank, die als Hilfsverein für das notleidende Landvolk gegründet wurde, sowie die erste Einzelhandels-Genossenschaft.

Wie wird eine Genossenschaft gegründet?

Eine Genossenschaft ist eine privatwirtschaftliche Kooperationsform, die aus mindestens drei Mitgliedern besteht. Sowohl juristische oder natürliche Personen können eine Genossenschaft gründen. Deshalb können sich sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen zu solch einer privatwirtschaftlichen Kooperationsform zusammenschließen und ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel verfolgen.

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Wie läuft die Gründung ab?

Die Gründung ist sehr einfach und unkompliziert: Für die Gründung sind mindestens drei Personen nötig. Es wird eine Satzung beschlossen und ein Vorstand gewählt. Übersteigt eine Genossenschaft mehr als 20 Mitglieder, bedarf es zusätzlich eines Aufsichtsrates. Daraufhin muss sich die Gesellschaft in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht eintragen und der regionale Genossenschaftsverband prüft, wie es um die Zukunftsaussichten des Verbandes bestellt ist.

Was stellt die Rechtsgrundlage einer Genossenschaft dar?

Eine Genossenschaft ist eine Form der Kapitalgesellschaft. Das Genossenschaftsgesetz und das Handelsgesetz stellen somit die rechtliche Basis dar. Sobald die Genossenschaft in das Genossenschaftsregister eingetragen und die Satzung eingereicht wurde, wird sie im Sinne des Handelsgesetzbuches zum Kaufmann. Diese Prozesse sind verpflichtend für die Gründung einer Genossenschaft. Das Kürzel eG steht ferner für eingetragene Genossenschaft. Zudem ist sie verpflichtet, Gewerbe- und Körperschaftssteuer in Deutschland zu zahlen.

Wer leitet eine Genossenschaft?

Der Vorstand ist das Leitungsorgan der Genossenschaft. Er leitet diese in eigener Verantwortung, organisiert sie und ist für die gesamte Geschäftspolitik verantwortlich. Der Vorstand ist sowohl nach innen als auch nach außen der gesetzliche Vertreter der Genossenschaft. Der Vorstand wird von der Generalversammlung gewählt und abberufen, er führt die Geschäfte gemäß den gesetzlichen Vorschriften und der Satzung der Genossenschaft aus.

Was sind die Rechte und Pflichten der Genossenschaftsmitglieder?

Jedes Mitglied erhält eine Stimme in der Genossenschaft. Ein jeder ist dabei untereinander gleichberechtigt – unabhängig davon, wie hoch seine Kapitaleinlage ist. Die Mitglieder können sich also mit unterschiedlich hohem Kapital an der Genossenschaft beteiligen.

Obwohl sich die Mitglieder einer Genossenschaft anschließen, behalten sie ihre Eigenverantwortung und Selbstständigkeit bei. Ein jedes Mitglied besitzt sein eigenes Unternehmen. Allerdings profitieren sie dank des Zusammenschlusses von den Stärken der anderen: Das wirtschaftliche Handeln und die soziale Verantwortung bilden die Basis des Genossenschaftskonzeptes. Eine Genossenschaft wird schließlich begründet, um gemeinschaftlich agieren zu können. Dabei muss eine Genossenschaft nicht ausschließlich gewinnorientierte Ziele verfolgen.

Eine Genossenschaft stellt sich somit gemeinsam den Herausforderungen, die zusammen einfacher gemeistert und bewältigt werden können. Das macht die einzelnen Genossenschaftsmitglieder stärker und lässt sie gemeinsam erfolgreicher sein.

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Die Basic Facts einer Genossenschaft im Überblick:

  • Mindestens drei natürliche oder juristische Personen sind für die Gründung nötig
  • Die Satzung und der Vorstand werden bei der Gründung beschlossen
  • Alle Genossenschaftsmitglieder sind untereinander gleichberechtigt
  • Jedes Mitglied kann unterschiedlich hohe Kapitaleinlagen investieren
  • Trotz Mitgliedschaft in der Genossenschaft geht die Eigenständigkeit nicht verloren
  • Jedes Mitglied besitzt sein eigenes Unternehmen, profitiert aber von der Stärke des Teams

Wie haftet eine Genossenschaft?

Eine Genossenschaft ist eine juristische Person und sie haftet daher nur mit ihrem Vermögen. Die Mitglieder haften mit ihren Kapitaleinlagen, die das „haftende Eigenkapital“ der Genossenschaft darstellen. Sollte es zu einer Insolvenz kommen, kann es sein, dass die Mitglieder zusätzliche Zahlungen tätigen müssen. Jedoch liegt dies immer daran, was in der Satzung beschlossen wurde: Wurden Nachschüsse ausgeschlossen oder nicht? Sollte die Nachschusspflicht vollkommen ausgeschlossen sein, dann müssen die Mitglieder im Falle einer Insolvenz ihrer Genossenschaft keine weiteren Zahlungen leisten.

Was unterscheidet eine Genossenschaft von einem Franchisesystem?

Der große Unterschied zwischen Genossenschaften und Franchisesystemen ist, dass Genossenschaften Kooperationen mit horizontalem Charakter sind. Das heißt, dass Partner derselben Wirtschaftsstufe miteinander kooperieren. Eine Genossenschaft hat keine Überwachungs- oder Weisungsrechte. Bei Franchisesystemen sieht es da anders aus: Hier handelt es sich um vertikale Kooperationen. Es ist kein Zusammenschluss gleichberechtigter Mitgliedsunternehmen, stattdessen handelt es sich um eine partnerschaftliche Vertriebsform eines Geschäftskonzeptes. Dieses unternehmerische Konzept wurde von dem Franchisegeber begründet. Er räumt seinen Geschäftspartnern lediglich die Nutzung seiner Schutzmarke und des Konzeptes gegen Entrichtung einer Gebühr ein. Der Franchisegeber ist der alleinige Besitzer aller gewerblichen Schutzrechte: Die Marke, der Name, die Corporate Identity, Patente, Warenzeichen oder Gebrauchsmuster. Wer Teil des Franchisenetzwerks werden möchte, erhält daraufhin das Recht und die Pflicht zur Umsetzung dieses Geschäftskonzeptes.

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Auch wenn beide Konzepte darauf basieren, dass man als Netzwerk stärker ist und ein gemeinsames Ziel verfolgt wird, unterscheiden sich die beiden Kooperationsarten hinsichtlich des Ausmaßes und der Intensität des Verhältnisses: Beim Franchising handelt es sich um ein straffes Vertriebskonzept, bei dem die einzelnen Franchisenehmer zwar rechtlich und wirtschaftlich eigenständig sind, sie aber vollständig weisungsgebunden sind. Eine Genossenschaft fußt auf einem loseren Verhältnis. Darüber hinaus sind Genossenschaften gesellschaftsrechtlich organisiert, während bei Franchisesystemen die individual-rechtliche Beziehung im Vordergrund steht.

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Autor: Redaktionsteam ©