Holding im Franchise-Glossar

Was ist eine Holding?

Eine Holding ist eine Dach- beziehungsweise Beteiligungsgesellschaft. Es handelt sich dabei nicht um eine gesonderte Rechtsform, sondern um eine Organisationsform für Unternehmen.

Eine Holding besteht aus mindestens zwei Unternehmen: Der Muttergesellschaft und der Tochtergesellschaft. Dabei fungiert die Muttergesellschaft als Holding und unterhält Kapitalbeteiligungen zu mehreren, rechtlich eigenständigen Tochtergesellschaften. Bei einer Holding können also mehrere Unternehmen auf eine bestimmte Art und Weise miteinander organisiert werden. Die unterschiedlichen Unternehmen stehen hier in hierarchischer Relation zueinander.

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Der Ursprung der Begrifflichkeit

Der Begriff Holding stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie innehabend – und genau das bringt die Funktion einer Holding auf den Punkt: Sie verwaltet die Anteile ihrer Tochtergesellschaften. Während im Deutschen die Bezeichnung Dachgesellschaft zutreffend ist, so hat sich mittlerweile auch bei uns der Anglizismus Holding durchgesetzt. Der Begriff Holding ist die gekürzte Form für Holdings-Struktur, Holding-Organisation oder auch Holding-Gesellschaft.

Wie ist eine Holding aufgebaut?

Eine Holding lässt sich in mehrere Geschäftsbereiche oder untergeordneten Sparten organisieren, wobei den unterschiedlichen Unternehmen der Holding-Struktur verschiedene Funktionen zukommen.

Die Holding-Gesellschaft – also die Muttergesellschaft – hält langfristige Beteiligungen an mehreren eigenständigen Unternehmen innerhalb der Struktur. Der Holding kommen hier meist verwaltende Aufgaben zu, sie kümmert sich um finanzielle Themen und führt die Holding in strategischer Hinsicht. Die Muttergesellschaft bietet keine direkten Dienstleistungen an, sie produziert auch keine eigenen Waren – dies übernehmen ihre Tochtergesellschaften.

Die Tochtergesellschaften sind selbstständig und treten auch nach außen rechtlich eigenständig auf, allerdings stehen sie meist in einer finanziellen sowie rechtlichen Abhängigkeit von der Holding.

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Welche Arten von Holdings gibt es?

Generell wird zwischen vier folgenden Holdingsarten unterschieden:

  • Finanzholding

Eine Finanzholding hält Anteile an untergeordneten Unternehmen und verwaltet diese. Allerdings überlässt sie ihren Tochtergesellschaften die organisatorische Führung. Es kommt hier nur zu einer distanzierten Einflussnahme, die sich über bestimmte Kontrollgremien äußert – hierbei handelt es sich beispielsweise um die Gesellschafterversammlung oder Aufsichtsratsmandate. Die Finanzholding erwirbt Aktien oder Gesellschaftsanteile der Tochtergesellschaften, um Kontroll- und Verwaltungsaufgaben für diese zu übernehmen. Eine Finanzholding tritt den Endkunden gegenüber nicht in Erscheinung. Ihr oberstes Anliegen ist die gezielte Wertoptimierung. Ihr Fokus liegt somit auf den unterschiedlichen Vermögensanlagen, sie übernimmt keine Führungsfunktion.

  • Operative Holding

Handelt es sich um eine operative Holding, dann ist diese meist selbst am Markt aktiv. Als Mutterkonzern ergänzt sie ihr eigenes Geschäft durch ihre Tochtergesellschaften. Die Muttergesellschaft führt die Tochtergesellschaften als Niederlassungen. Diese Art stellt die klassische Form einer Holding dar. Eine operative Holding nimmt Einfluss auf die Steuerung und die strategische Ausrichtung ihrer Tochtergesellschaften. Bei dieser Art von Holding haben die Tochtergesellschaften regelmäßig dem Mutterkonzern Bericht zu erstatten.

  • Management Holding

Diese Art von Holding stellt eine Mischung der ersten beiden Holdingsarten dar: Primär verwaltet die Muttergesellschaft die Geschäftsanteile. Aus diesem Grund tritt sie selbst auch nicht in aktiver Form auf dem Markt auf. Allerdings übernimmt sie die Führung der unternehmerischen Strategie der Tochtergesellschaften, auch wenn diese ihr Unternehmen eigenständig führen. Diese Art von Holding wird auch als Strategie-Holding bezeichnet: Sie steuert und plant. Diese Holdingsart verlegt ihren Firmensitz aus steuerlichen Gründen meist in ein Land mit günstigen Steuergesetzen.

  • Organisatorische Holding

Eine organisatorische Holding kümmert sich um die Organisation und Strukturierung der unterschiedlichen Unternehmensbereiche ihrer Tochtergesellschaften. Sie ist deshalb meist in einem Unternehmen platziert und führt von dort ihre strukturellen Aufgaben aus.

Wie gründet man eine Holding?

Eine Holding besteht aus mindestens zwei Kapitalgesellschaften, dabei muss eine der Gesellschaften mit mindestens zehn Prozent an der anderen Gesellschaft beteiligt sein.

Wer kann eine Holding gründen?

Da eine Holding-Gesellschaft aus mindestens zwei Unternehmen besteht, müssen entweder zwei neue Unternehmen gegründet werden oder aber ein bereits bestehendes Unternehmen schließt sich mit einem weiteren Unternehmen zu einer Holding-Gesellschaft zusammen.

Mit folgenden Rechtsformen lässt sich eine Holding gründen:

Sollten für die Holding beide Unternehmen neu gegründet werden müssen, so kann dies an einem Tag und sogar während des gleichen Notartermins passieren. An sich läuft die Gründung einer Holding ähnlich wie die Gründung einer GmbH oder UG ab. Der einzige Unterschied liegt hier darin, dass die Muttergesellschaft Anteile der Tochtergesellschaften übernimmt beziehungsweise als Gesellschafter der Tochtergesellschaft eingesetzt wird.

Wann macht die Gründung einer Holding Sinn?

Wer überlegt, eine Holding zu gründen, der sollte sich vorab gut überlegen, wozu er diese gründet. So gibt es unterschiedliche Gründe und Motivationen, weshalb die Gründung einer Holding interessant ist.

Fakt ist, immer mehr Start-Ups und Technologie-Unternehmen nutzen das Format der Holding für ihre Gründung. Das liegt ganz einfach daran, dass es eine sehr interessante Lösung ist, wenn es mehrere Gründer oder Gesellschafter gibt, da eine Holding einen späteren Austritt einfacher möglich macht.

Durch die Gründung einer Holding kommt man in den Genuss kartellrechtlicher sowie steuerrechtlicher Vorteile. Ebenso kann man eine Holding nutzen, um die Organisation eines Unternehmens umzugestalten. Auch in finanzieller Hinsicht ist eine Holding interessant, da ein Unternehmen beim Verkauf seiner Anteile von einer Steuerfreiheit von 95 Prozent des Betrages profitieren können, sollten die Veräußerungsgewinne innerhalb der Holding bleiben. Der Haftungsschutz ist ebenfalls ein Pluspunkt, der für die Gründung einer Holding spricht, da die Holding nicht für ihre Tochterunternehmen haftet. Sollte eine Tochtergesellschaft vorab ihr Vermögen an die Holding übertragen haben, so bleibt dieses Vermögen unberührt. So lassen sich risikoreichere Bereiche im Unternehmen clever auslagern. Im Haftungsfall bleibt der Schaden somit auf die Tochtergesellschaft begrenzt.

Eine Holding ist ebenso hilfreich, wenn eine Kette aufgebaut werden soll. Eine finanzielle Unabhängigkeit der Standorte voneinander sorgt dafür, dass einzelne Standorte unabhängig voneinander überleben können. Sollte es bei einem der Standorte schlecht laufen, kann dieser geschlossen werden, ohne dass die anderen Standorte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Es kann auch eine anonyme Holding gegründet werden. In diesem Fall, ist nach außen nicht ersichtlich, wer sich hinter einer Tochtergesellschaft verbirgt. Dies kann aus Imagezwecken oder zur Preisdifferenzierung interessant sein. Diese Anonymität wird durch zwischengeschaltete Treuhändler erreicht. Während Geschäftspartner nicht erkennen können, wer das Unternehmen de facto führt, ist es für das Finanzamt natürlich ersichtlich.

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Was sind die Vorteile einer Holding?

Hier sind folgende Vorteile hervorzuheben:

  • Steuerersparnis
  • Schutz im Haftungsfall
  • Anonymität am Markt

Holding-Gesellschaften und das Franchising

Auch im Franchising ist diese Organisationsstruktur vertreten. Hier können Holding-Gesellschaften als Franchisegeber mehrerer Marken auftreten. Dieses Format findet vor allem bei den großen Marken der Systemgastronomie Anwendung. Hier befinden sich mehrere Tochtergesellschaften mit eigenen Franchisesystemen unter dem Deckmantel einer Holding. Der große Vorteil an solchen Franchise-Holdings ist, dass sie ihren Franchisepartnern zahlreiche Vorteile bieten können. Dank ihrer konzerngleichen Größe kommen die Geschäftspartner in den Genuss zahlreicher Systemvorteile, was vor allem bei Finanzierungsthemen und Einkaufsvorteilen interessant ist.

Eva Tegeder, Punkt Franchise ©

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