Nebenberufliche Selbstständigkeit im Franchise-Glossar

Wann sprechen wir von einer nebenberuflichen Selbstständigkeit?

Auch wenn man einen Hauptberuf hat, so kann man sich nebenberuflich selbstständig machen. Es ist von einer nebenberuflichen Selbstständigkeit oder aber Nebenerwerbsselbstständigkeit die Rede, wenn man neben dem Hauptberuf noch einer weiteren Erwerbstätigkeit als Selbstständiger nachgeht. Und zwar kann es sich hierbei um ein Gewerbe oder aber eine freiberufliche Tätigkeit handeln.

Was ist der Unterschied zwischen hauptberuflicher und nebenberuflicher Selbstständigkeit?

Damit eine Selbstständigkeit als nebenberuflich gilt, müssen allerdings zwei bestimmte Kriterien eingehalten werden, die sich vor allem auf die Arbeitszeit und das erzielte Einkommen beziehen. So wird sichergestellt, dass die Hauptbeschäftigung auch weiterhin den Arbeitsmittelpunkt des Teilzeitgründers darstellt. Was das Einkommen angeht, so darf der Verdienst aus der nebenberuflichen Tätigkeit nicht das Einkommen der Haupttätigkeit übersteigen. Die Arbeitszeit sollte den arbeitszeitlichen Richtwert von 15 bis 18 Stunden in der Woche nicht überschreiten, um zeitlich nicht mit der Haupttätigkeit in Konkurrenz zu treten. Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit können jedoch keine eigenen Mitarbeiter eingestellt werden, da wir es in diesem Fall mit einer hauptberuflichen Tätigkeit zu tun hätten.

Wie steht es um das Gründerverhalten der nebenberuflichen Selbstständigen?

Der KfW Gründungsmonitor erfasst das deutschlandweite Gründergeschehen in Deutschland. Im Jahr 2018 machte die nebenberufliche Selbstständigkeit laut KfW Gründungsmonitor die Mehrheit der Gründungen in der Bundesrepublik aus.

Allerdings setzte sich auch in 2018 der Rückgang der Gründungstätigkeit im Nebenerwerb fort, die sich bereits in 2017 manifestiert hatte.

Interessanterweise fiel die Anzahl der Vollerwerbsgründungen weniger rückläufig aus: Während die Anzahl der Vollerwerbsgründungen von 2017 verglichen mit 2016 um 13.000 Gründungen auf 234.000 fiel, reduzierten sich die Gründungen im Nebenerwerb um ganze 24 Prozent von 424.000 auf 323.000.

Welche Vorteile gehen mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit einher?

Wer sich nebenberuflich selbstständig macht, der kann einen Vorgeschmack vom Unternehmertum bekommen und eine Geschäftsidee austesten, ohne finanziell und unternehmerisch direkt auf’s Ganze zu gehen. Denn wer ein eigenes Unternehmen gründen möchte, der hat eine ordentliche Belastung zu stemmen und muss mit viel Einsatz für den unternehmerischen Durchbruch kämpfen. Eine Gründung als zweites Standbein geht daher mit gewissen Vorzügen einher:

· Profitieren Sie von einem reduzierten Risiko:

Wer eine nebenberufliche Selbstständigkeit vor die Wand fährt, dem tut es nicht so weh wie jemandem, der seine gesamte Existenz auf’s Spiel gesetzt hat. Schließlich hat ein Nebenerwerbsgründer noch die finanzielle Sicherheit, die von der Hauptbeschäftigung ausgeht. Das Risiko wird insofern minimiert, da die Einkommensquelle für den Lebensunterhalt diversifizierter aufgestellt ist. Allerdings sollten Nebenerwerbsgründer schauen, dass sie sich bei ständig wechselnden Tätigkeiten und Prioritäten nicht verzetteln, so dass es sich zu ihrem Nachteil auswirkt.

· Einfachere Finanzierung aufgrund von geringerem Kapitalbedarf:

In der Regel lassen sich Gründungen in Teilzeit mit einem geringeren Kapitalbedarf realisieren, was bereits ohne oder nur mit sehr wenig Fremdkapital auskommt. Und zwar liegt das daran, dass eine nebenberufliche Selbstständigkeit meist ohne größere Investitionen und Verpflichtungen auskommt. Viele Modelle, die in Teilzeit ausgeführt werden, lassen sich bequem von zu Hause im Home Office ausführen. Aus diesem Grund halten sich die Kosten für Miete, Betriebsmittel und Ausstattung meist in Grenzen.

· Mehr Zeit für andere Dinge und das Privatleben:

Wer sich nebenberuflich selbstständig macht, der hat mehr Zeit für andere Dinge und kann das Unternehmertum light mit der Erziehung der Kinder oder Pflege der Eltern aufbringen. Allerdings bedeutet dies auch, dass weniger Zeit in den Geschäftsaufbau investiert wird, weshalb der unternehmerische Erfolg meist relativ lange auf sich warten lässt – schließlich steht man den Kunden weniger Stunden zur Verfügung und investiert weniger Zeit in das Vorankommen in das eigene Unternehmen.

· Unternehmertum light mit Zeit zum Ausprobieren:

Der Vorteil an einer Teilerwerbstätigkeit ist, dass man so mehr Zeit und Ruhe hat, um eine Geschäftsidee am Markt zu testen oder um ein wenige Unternehmerluft zu schnuppern. Findet das Business-Konzept bei den Kunden Anklang? Gefallen dem Gründer die Rolle und Aufgaben als Unternehmer? Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit kann man mit mehr Ruhe und weniger Druck die wirtschaftliche Machbarkeit einer Geschäftsidee testen und ein Gefühl dafür bekommen, ob man in der neuen Rolle auch wirklich gut aufgehoben ist.

Warum machen sich Gründer nebenberuflich selbstständig?

Die meisten machen sich tatsächlich zunächst im Nebenerwerb selbstständig, um erst einmal ein Gefühl für die Selbstständigkeit zu bekommen und um im Nachhinein zum Vollerwerb überzugehen. Andere nutzen das nebenberufliche Format, um zunächst einmal eine Geschäftsidee am Markt zu testen und diese daraufhin besser an die Bedürfnisse anpassen zu können. Aufgrund der nebenberuflichen Selbstständigkeit profitieren die Gründer von einem verringerten finanziellen Risiko, einer besseren Absicherung trotz Selbstständigkeit oder aber um in den Genuss von Sozialversicherungen zu kommen – als voller Unternehmer sind die Kosten hierfür schließlich aus der eigenen Tasche zu tragen. Außerdem nutzen viele die nebenberufliche Selbstständigkeit, um selbstbestimmter und unabhängiger arbeiten zu können, einer Tätigkeit nachzugehen, die Spaß macht und den eigenen Talenten entspricht.

Welche Rechtsform sollte bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit gewählt werden?

Hierzulande werden die meisten Gründungen im Teilerwerb als Einzelunternehmen gegründet, da es sich hierbei um eine einfache und sehr unkomplizierte Gründungsart handelt. Je nach Art der Tätigkeit macht man sich als Gewerbetreibender oder aber Freiberufler mit seinem Einzelunternehmen selbstständig. Sollte der Verdienst aus der nebenberuflichen Tätigkeit unter 17.500 Euro liegen, so kann hier der Kleinunternehmerstatus in Anspruch genommen werden, so dass die Teilzeitgründer von der Umsatzsteuer befreit sind. Eine weitere mögliche Rechtsform, die bei mehreren Gesellschaftern genutzt werden kann, ist die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) oder aber die Unternehmergesellschaft (UG), die sich bereits mit einer Stammkapitaleinlage von nur einem Euro gründen lässt.

Wie gestaltet sich die nebenberufliche Gründung im Franchising?

Auch im Franchising können Gründungen im Nebenerwerb realisiert werden. So gibt es Konzepte, die sich allein von ihrer Art her nur im Vollerwerb gründen und managen lassen. Bei anderen Franchisekonzepten stellt auch die nebenberufliche Selbstständigkeit eine Option für Gründungswillige dar, die zunächst einmal das Unternehmertum light für sich austesten möchten. Bietet ein Franchisegeber Gründungen im Teilerwerb an, so ist die Umsetzung meist zu einem geringeren Kapitalbedarf möglich. So gibt es zahlreiche Konzepte, die sich bereits ohne Eigenkapital realisieren lassen. Außerdem sind die Franchisekonzepte, die auch mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit ausgeführt werden, zu geringeren Investitionskosten möglich, da sie meist von zu Hause aus im Home Office ausgeführt werden.

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