Quereinsteiger im Franchise-Glossar

Was ist ein Quereinsteiger?

Die Bezeichnung Quereinsteiger hört man im Berufsleben oft. Sie bezieht sich auf Personen, die fachfremd in ein neues Tätigkeitsfeld oder eine neue Branche einsteigen. Als Quereinsteiger bringt man also nicht die typische, klassische Berufsausbildung mit, die eigentlich für den Job üblich ist. Teilweise wird auch das Synonym Seiteneinsteiger verwendet.

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Gibt es typische Quereinsteiger-Berufe?

Ein Quereinstieg ist nur möglich, wenn es sich nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt. Denn das deutsche Ausbildungssystem genießt auch international einen guten Ruf und hat seine Daseinsberechtigung. Für eine Ausbildung gibt es hohe Standards und sie findet in einem dualen System statt, wo die Theorie in Unterrichtseinheiten und die Praxis der Tätigkeit in Wirtschaftsbetrieben erlernt wird. Ein beruflicher Quereinstieg ist streng genommen nicht in Deutschland vorgesehen. Anders sieht es hier in anderen Ländern aus, wo es kein duales Ausbildungssystem gibt, wie wir es kennen. Dort ist On-the-Job Training und Learning-by-Doing die gelebte Realität. Abgesehen von Jobs, die ein Studium erfordern, sind in solchen Ländern streng genommen alle Arbeitnehmer Quereinsteiger.

Darüber hinaus existieren bei uns vor allem im medizinisch-psychologischen wie auch im juristischen Bereich geschützte Berufsbezeichnungen. Das heißt, dass man sich nur dementsprechend titulieren darf, wenn man auch die dazugehörige Ausbildung oder aber das Studium nachweisen kann. Liegen die Prüfungs- oder Ausbildungsnachweise nicht vor, kann man sogar von einem Titelmissbrauch sprechen, der strafbar ist!

Bei den ungeschützten Berufsbezeichnungen sieht es anders aus. So kann man sich Grafik-Designer, Moderator, Journalist, Schauspieler oder Vertriebsleiter nennen, ohne dass man mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss. Das ist auch der Grund, dass in den Berufsfeldern, die nicht geschützt sind, auch die meisten Quereinstiege stattfinden.

Welche Berufsbezeichungen sind geschützt?

Zu den geschützten Berufsbezeichnungen gehören unter anderem Apotheker, Arzt, Zahnarzt, Tierarzt und Psychotherapeut im medizinisch-psychologischen Bereich. Im Steuer- und Rechtswesen gilt dies für den Notar, Steuerberater, Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer wie auch für den Patentanwalt. Auch als Fleischer oder Konditor muss eine entsprechende Berufsausbildung absolviert werden. In diesen Bereichen ist daher auch kein Quereinstieg möglich.

Wer ist typischerweise ein Quereinsteiger?

Ein Quereinsteiger erfindet sich in beruflicher Sicht neu. Er hat zwar einen Beruf gelernt und diesen sogar auch ausgeführt, allerdings hat er sich dann dazu entschieden, in eine andere Branche zu wechseln – auch wenn ihm hierzu die grundständige Ausbildung fehlt.

Dies kann auch für Hochschulabsolventen der Fall sein, die nur über eine geringe berufsspezifische Ausbildung verfügen. Vor allem bei den Geistes- und Sozialwissenschaften ist das der Fall, da diese Studiengänge ihre Absolventen in der Regel nicht für konkrete Berufe ausbilden. So kann es vorkommen, dass sich Hochschulabsolventen neu orientieren müssen, sollten sie keinen Einstieg auf dem Arbeitsmarkt finden.

Meist sind Konjunkturschwankungen in den einzelnen Industriesektoren oder aber auch die individuellen Eigenschaften der Bewerber mitunter die Hauptgründe für einen Quereinstieg. Die Unternehmen stellen oft Quereinsteiger ein, um sich ergänzendes und bereicherndes Wissen ins Unternehmen zu holen.

Worauf kommt es bei einem guten Quereinsteiger an?

Stellt ein Unternehmen einen Quereinsteiger ein, dann stehen hier weniger seine berufliche Qualifikationen oder das vorhandene Fachwissen im Vordergrund, stattdessen liegt der Arbeitgeber mehr Wert auf die Soft Skills. Wichtige Soft Skills im Business-Alltag sind unter anderem Belastbarkeit, Durchsetzungsvermögen, Charisma, Einsatzbereitschaft, Empathie, Flexibilität, Gewissenhaftigkeit und Kommunikationsfähigkeit, etc.
Der Vorteil an Quereinsteigern ist, dass sie anders denken, Vielfalt ins Team bringen und Erfahrungen aus anderen Branchen mitbringen. Ein Unternehmen kann also von einem Quereinsteiger profitieren, da man sich auf diese Art und Weise frischen Wind und neue Sichtweisen ins Haus holt. Um sich die wesentlichen Fähigkeiten der neuen Position anzueignen, können Quereinsteiger mehrere Zusatzqualifikationen und Fortbildungen absolvieren, damit sie auch relevante Schlüsselqualifikationen nachweisen können.

Welche Arten von Quereinstieg gibt es?

Beim Quereinstieg gibt es unterschiedliche Arten:

  • Fachkräftemangel
  • Berufliche Neuorientierung
  • Existenzgründung mit Franchising

Der Quereinstieg beim Fachkräftemangel

Unsere Wirtschaft ist aktuell von einem Fachkräftemangel betroffen. In den Bereichen, wo Fachkräftemangel vorherrscht, kann meist auf einfacherem Wege ein Quereinstieg stattfinden. Das liegt meist daran, da für die fachfremden Bewerber bereits eine bessere Infrastruktur geschaffen wurde, die eine Bewerbung einfacher macht. Vor allem im personalintensiven Dienstleitungsbereich wie auch bei der Besetzung von Lehrerstellen gibt es momentan viele Jobs, die sich an Quereinsteiger richten. In Gesundheits- und Pflegeberufen wie auch in der kommunalen Verwaltung wird aktuell wieder händeringend nach Arbeitnehmern gesucht. Für einen Quereinstieg im Schuldienst wurden ja nach Bundesland die Regelungen gelockert, so dass ein pädagogischer Crash-Kurs den Seiteneinsteiger auf das Lehramt und den Schulalltag vorbereitet.

Berufliche Neuorientierung

Ein Branchenwechsel passiert heutzutage ständig. Denn fast jeder Arbeitnehmer wechselt im Laufe seiner Karriere nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch gleich die Branche. Da die Anforderungen an die Arbeitnehmer heutzutage ohnehin gestiegen sind, und man stets neue Kompetenzen und Kenntnisse entwickeln soll, ist ein Quereinstieg fast schon zur Normalität geworden.

Wer gezielt neues, berufliches Terrain betreten möchte, der sollte sich vorab Gedanken machen, warum er die Branche wechseln möchte und sich seiner Motivation bewusst sein. Denn schließlich gilt es mit seiner Bewerbung den Recruiter und neuen Arbeitgeber von sich zu überzeugen: Warum sollten diese sich für einen Quereinsteiger und nicht für einen Bewerber mit Branchenerfahrung und geradlinigem Lebenslauf entscheiden? Denn als Quereinsteiger müssen Sie sich zusätzlich gegen Mitbewerber behaupten, die den Beruf von der Pike auf gelernt haben!

Aber Neuorientierungs-Quereinsteiger sind oft dafür bekannt, dass sie bewusst neue Wege beschreiten möchten. Sie haben sich deshalb intensiv mit ihren Stärken und Fähigkeiten auseinandergesetzt und wissen, was sie im Leben erreichen möchten. Der Arbeitgeber kann sich daher oft darauf verlassen, dass Quereinstiger hoch motiviert sind und ein großes Interesse daran haben, sich selbst in persönlicher wie auch fachlicher Hinsicht weiterzuentwickeln.

Existenzgründung als branchenfremder Franchisenehmer

Das Franchising macht es möglich, dass Quereinsteiger in einer fremden Branche sogar ein eigenes Unternehmen gründen können. Und zwar richten sich die Franchisemarken meist an Interessenten aller Couleur, da es Franchisegebern primär auf die Soft Skills ankommt und bisherige Berufs- und Branchenerfahrung nur von sekundärer Bedeutung sind. Wichtig als Franchisenehmer ist es, dass man über eine Unternehmerpersönlichkeit verfügt. Das heißt, man sollte ein Gespür für Zahlen haben und über kaufmännische Basiskenntnisse verfügen. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, dass man die entsprechenden People Skills besitzt. Das heißt, man sollte eine offene, authentische und charismatische Persönlichkeit sein, die Freude am Umgang mit Menschen hat und im Idealfall bereits Führungserfahrung vorweisen kann. Diese Eigenschaften stellen oft die wichtigeren Basisvoraussetzungen für Franchisenehmer dar, so dass man sogar auch als Quereinsteiger eine Existenzgründung realisieren kann.

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